Wie brandsicher sind unsere Kirchen?

Stellen Sie sich vor, der Magdeburger Dom steht in Flammen. Oder im Dom zu Naumburg – seit 2018 Unesco-Weltkulturerbe – bricht ein Feuer aus. Urplötzlich wird ein historisches Gebäude von unschätzbarem Wert zerstört, so geschehen jetzt mit Notre Dame in Paris. Kann die Kathedrale überhaupt wieder nach dem Original aufgebaut werden, wenn keine Baupläne der Holzkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert vorhanden sind?

Unser Magdeburger Dom ist der erste gotische Kathedralbau auf deutschen Boden und Grablege des Gründers des Heiligen Römischen Reiches Otto des Großen. Die Bedeutung kann man nicht auf einen Geldwert beschränken. Außer dem Bauwerk kann bei einem Brand auch die wertvolle Innenaustattung – Orgel, Glocken, Hochaltar, historische Kunstschätze aus Bildhauerei und Gemälde – den Flammen zu Opfer fallen. Beim Naumburger Dom fallen mir sofort die Stifterfiguren im Westchor ein, vor allem die berühmte Uta und Ekkehard.

Wie lassen sich Schäden an kulturhistorischen Bauwerken überhaupt berechnen? Dafür werden die Kosten für einen Neuaufbau des Gebäudes zugrunde gelegt. Hinzu kommen die Schäden der Kunstobjekte im Inneren. Das alles ermitteln Sachverständige in ihren Gutachten. Ob eine Versicherung für diese Feuerschäden zahlt, hängt davon ab, inwieweit die Bauwerke überhaupt versichert worden sind. Die meisten Landeskirchen in Deutschland, aber auch einzelne Kirchengemeinden, haben Rahmenverträge für ihre Sakralbauten abgeschlossen. Kulturhistorisch besonders wertvolle Gebäude werden auf Basis von Wertgutachten gedeckt, für den Denkmalschutz gibt es meist ein Limit.

Ist der Brand möglicherweise durch Versäumnisse bei Bau- oder Instandhaltungsmaßnahmen  entstanden – bei Notre Dame werden Dacharbeiten als Ursache vermutet – kann das beauftragte Bauunternehmen haftpflichtig herangezogen werden. Allerdings reichen die vereinbarten Versicherungssummen bei Großschäden in der Regel nicht aus, vielmehr könnte die Baufirma dadurch in Insolvenz gehen.

Umfassende Prävention ist der beste Schutz vor Schäden. Die evangelischen Landeskirchen und das Bistum Magdeburg prüfen nach eigenen Angaben ihre Gotteshäuser regelmäßig auf ausreichende Brandschutzvorkehrungen. Allerdings gibt es keine bindende Pflicht für Brand- und Rauchmeldeanlagen, weil sie im Baurecht als Sonderbauten gelten. Im Naumburger Dom sind jedoch Brandmelder im Dachstuhl eingebaut. Im Magdeburger Dom wurden Steigleitungen in die Türme verlegt, über die Löschwasser hochgepumpt werden kann.

Einen vergleichbaren Brandschaden wie jetzt in Paris gab es in Deutschland vor 15 Jahren: 2004 brannte die Anna Amalia Bibliothek in Weimar ab, ein Schaden von rund 100 Millionen Euro. Das Gebäude und die Bücher waren jedoch nur zu einem sehr geringen Teil versichert.

Foto: Notre Dame vor dem Brand. /privat