Unwetter für Sachsen-Anhalts Haushalte am teuersten

Erinnern Sie sich noch an „Friederike“? Der Orkan im Januar 2018 verursachte allein bei ÖSA-versicherten Haus- und Wohnungsbesitzern in Sachsen-Anhalt rund 60.000 Schäden in einer Gesamthöhe von rund 12 Millionen Euro und erreichte damit das katastrophale Ausmaß von „Kyrill“ elf Jahre zuvor. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat jetzt eine regional ausgesplittete Bilanz der vorjährigen Unwetterschäden veröffentlicht. Außer Sturm und Hagel gehören auch andere Naturgefahren wie Starkregen als Schadenverursacher dazu.

Im Vergleich mit viel größeren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen (910 Mio. Euro Schadenaufwand) rangiert Sachsen-Anhalt mit insgesamt 138 Millionen Euro zwar nur im Mittelfeld, wobei der Schadenumfang noch wesentlich höher ist als bei unseren Nachbarn Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Aber richtig spannend wird der Blick auf die durchschnittlichen Kosten pro Haushalt für die versicherten Unwetterschäden: Hier ist Sachsen-Anhalt leider der klare Spitzenreiter: Exakt 117,60 Euro kommen durchschnittlich auf jeden Haushalt in unserem Bundesland. Das ist fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt von 62,90 Euro und etwa achtmal so viel wie für einen Haushalt in Mecklenburg-Vorpommern. Nur NRW kommt noch auf einen dreistelligen Betrag.

Für die betroffenen Hausbesitzer blieb es natürlich nicht beim Durchschnittsbetrag, sondern die Schäden an ihren Immobilien gingen bis in den mehrstelligen Tausenderbereich. Gegen Sturm und Hagel ist so gut wie jeder Haushalt versichert, somit blieb nach „Friederike“ niemand auf dem Schaden sitzen. Anders ist das bei Überflutungen durch Starkregen oder Hochwasser. Gegen die Risiken aus solchen Naturgefahren hat nach wie vor nicht einmal jeder zweite Besitzer eines Wohngebäudes in Sachsen-Anhalt vorgesorgt, obwohl das Hochwasser im Jahr 2013 unvergessen sein dürfte und Starkregen immer häufiger vorkommt. Schäden durch Starkregen, Hochwasser, Erdrutsch, Schneedruck lassen sich über einen Zusatzbaustein in der Wohngebäude- und Hausratpolice mitversichern. Und das zu einem sehr geringen Preis im Vergleich zum möglicherweise ruinösen Ausmaß eines Überflutungsschadens.

Wer sich bisher auf den Staat verlassen hat, der nach einem Hochwasser immer gezahlt hat, wird künftig wahrscheinlich leer ausgehen. Denn die Bundesländer haben sich schon vor zwei Jahren verständigt, nicht länger staatliche Hilfen mehr an Hochwasseropfer zu zahlen, wenn diese sich hätten privat versichern können. Bayern setzt diesen Beschluss als erstes Bundesland konsequent um: Ab 1. Juli 2019 will der Freistaat keine Soforthilfen nach Naturkatastrophen mehr gewähren.

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