Jeder dritte hat Aufschieberitis

Acht von zehn Deutschen haben schon finanzielle, berufliche oder gesundheitliche Nachteile erlitten, weil sie wichtige Dinge auf die lange Bank geschoben haben. So ist fast jeder Zweite überzeugt, dass es ihm besser ginge, wenn er mehr Sport getrieben hätte. Mehr als jeder Dritte klagt wegen ungesunder Ernährung über körperliche Einschränkungen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Sinus-Instituts im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“ des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV).

Untersucht wurde das Aufschiebeverhalten – Prokrastination – der Menschen in drei zentralen Lebensbereichen: „Gesundheit und Ernährung“, „Finanzen und Altersvorsorge“ und „soziale Kontakte und Arbeit“. Demnach hadern viele Deutsche auch in finanzieller Hinsicht mit ihren Nachlässigkeiten. So geben 37 Prozent an, schon auf Anschaffungen verzichtet zu haben, weil sie nicht rechtzeitig dafür gespart hatten. Fast genauso viele Befragte (36 Prozent) fühlen sich ernsthaft dadurch belastet, sich nicht rechtzeitig um die Altersvorsorge gekümmert zu haben.

Viele Weichen für ein gesundes und zufriedenes Leben im Alter werden aber schon früh gestellt. Die Folgen eines über längere Zeit ungesunden Lebensstils lassen sich irgendwann nicht mehr beheben. Das gilt auch für Versäumnisse bei der Altersvorsorge, zumal die Menschen immer länger leben.

Dennoch schieben viele Deutsche wichtige Vorhaben auf. Jeder Dritte will beispielsweise mehr Sport treiben, setzt den Plan aber erst auf den letzten Drücker um oder lässt es ganz bleiben. Ungefähr jeder Vierte verschiebt medizinische Vorsorgeuntersuchungen oder schafft es nicht, weniger Alkohol und Zigaretten zu konsumieren. Ebenfalls jedem Vierten fällt es schwer, sich um seine Geldanlage zu kümmern oder Geld für das Alter zurückzulegen.

Der häufigste Grund für das permanente Vertagen ist fehlende Motivation: Jeder zweite kann sich nicht aufraffen, sich zu kümmern. Für 39 Prozent ist die Auseinandersetzung mit solche wichtigen Themen schlicht zu anstrengend. Ebenso oft wird als Grund fehlende Zeit und mangelndes Geld genannt. Viele Menschen wissen um ihre mangelnde Disziplin: Rund ein Drittel der Befragten bezeichnet sich selber als Aufschieber.