Interview mit einem Vampir

„Geister schreien, Hexen lachen, gebt uns Süßes, sonst wird´s krachen…“ So oder mit ähnlichen Versen werden am Donnerstag wieder zahlreiche kleine Monster, Hexen und Vampire durch die Straßen ziehen. Am 31. Oktober ist Halloween. Wir hatten kürzlich Besuch von einem Vampir und haben mit ihm über diesen Brauch gesprochen.

Lieber Vampir, woher kommt eigentlich dieses Fest, dieser Brauch? In Sachsen-Anhalt feiert man am 31. Oktober doch den Reformationstag zu Ehren von Martin Luther.

Diese beiden Feste haben nichts miteinander zu tun. Die Bezeichnung Halloween leitet sich von „All Hallows‘ Eve“ ab und beschreibt die Volksbräuche am Vorabend von Allerheiligen (1.11.). Laut Überlieferungen wurden die Traditionen durch irische Einwanderer in die USA gebracht, wo Halloween inzwischen neben Weihnachten und Thanksgiving zu den wichtigsten Festen des Jahres zählt. In Deutschland wird Halloween etwa seit den 90er Jahren so richtig gefeiert.

Vor den Häusern findet man häufig kunstvoll geschnitzte und ausgehöhlte leuchtende Kürbisse. Welche Rolle spielt der Kürbis an diesem Tag?

Vor Jahrhunden glaubte man, wenn man einen leuchtenden grimmig dreinschauenden Kürbis vor das Haus stellt, nehmen Geister an, das Haus sei bereits von anderen Geistern besetzt. Zur Abwehr sozusagen.

Kommen wir zum Outfit. Seit Wochen finden sich Kostüme jeglicher Art in den Geschäften. Gibt es denn auch in diesem Jahr einen besonderen Trend, womit man an Halloween besonders auffällt?

Halloween 2019 wird edel. Die Farben rot, schwarz und weiß dominieren. Samt und Brokat, Korsagen, Umhänge sowie ganz viel Glitzer stehen im Fokus und machen den ganz besonderen „Grusel-Glam-Look“ aus. Ein paar Tropfen aus den Kunstblut-Kapseln (in jedem Drogerie-Markt erhältlich) mit Lidschatten gemischt, schwarz umrandete Augen, fertig ist das passende Make-Up. Bei den Kleinen sind nach wie vor Gespenster, Vampire, Hexen, aber auch Piraten angesagt. Die Kleinsten sieht man auch mal in einem eher niedlichen Kürbis-Kostüm.

Dann liegst Du ja voll im Trend, lieber Vampir. Aber mal unter uns. Partys sind die eine Sache. Das Herumziehen, Klingeln und Streiche machen eine andere. Nicht immer verläuft Halloween glücklich ab. So mancher große Hausbesitzer ärgert sich nach einem Monster- und Vampirbesuch über zugeklebte Haustürschlösser, rohe Eier an den Hauswänden, zerkratzte Autos. Aus Streichen werden Sachbeschädigungen. Was sagst Du dazu?

Meine Eltern haben mich über Jahre begleitet. Ansonsten haben sie mir vor meiner Klingel-Tour den großen Vampir-Eid abgenommen. Dazu gehörte:

1. Böller, Eier, Klopapier, Zahnpasta und Senf gehören nicht in den Vampir-Beutel.
2. Beschädigungen an Haus, Auto und Grundstücken sind tabu. Dafür können meine Eltern zur Verantwortung gezogen werden.
3. Ich beteilige mich nicht an Mutproben. Solche Streiche sind weder cool noch beweisen sie Stärke. Das ist Vandalismus.

Das stimmt. Betroffene Geschädigte könnten Schadenersatz fordern. Es kommt jedoch darauf an, wie alt das Kind ist und ob etwas vorsätzlich beschädigt wurde. Kinder unter sieben Jahren können laut Gesetz noch nicht zur Verantwortung gezogen werden. Haben jedoch die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt, könnten sie deshalb belangt werden. Eltern sollten ihre kleinen Monster begleiten und sie im Auge behalten.

Zu empfehlen ist zusätzlich eine Familien-Haftpflichtversicherung. Diese deckt Schäden, die von über siebenjährigen Kindern, jedoch nicht vorsätzlich, verursacht worden sind. Zerkratzt ein Kind jedoch vorsätzlich Nachbars Auto, deckt die Haftpflichtversicherung hier keine Schäden. Entweder das Kind oder die Eltern können dann dafür verantwortlich gemacht werden. Jugendliche ab 14 Jahren gelten als deliktfähig, beziehungsweise bedingt strafmündig und können für ihre Halloween-Streiche strafrechtlich belangt werden. Übrigens, sollte das Auto beschädigt werden, ist das Vandalismus am Auto und es springt nicht die Privathaftpflichtversicherung, sondern die Vollkaskoversicherung ein. Ob der Schaden bezahlt wird, hängt allerdings nicht davon ab, wo das Auto geparkt wurde. Aber sicher ist sicher. Wer eine Garage hat, sollte sein Auto dort unterstellen.

Es soll ein lustiger Abend für alle sein. Den Kopf tragen nicht einmal wir Vampire unterm Arm. Ich stehe für meine Zunft und appelliere an den gesunden Menschenverstand. Ich freue mich auf diesen Tag und wünsche allen kleinen und großen Vampiren, Monstern und Hexen ganz viel Spaß – ohne Ärger.

Hast Du sonst noch einen Rat für den Abend?

Vorsicht vor zu schnellen Hexen auf ihren Besen! Spaß beiseite… Bitte passt alle gut im Straßenverkehr auf. Es ist dunkel, mitunter auch nebelig. Und auch die Kostüme sind oft schwarz oder grau. Bitte gebt alle aufeinander Acht: Autofahrer ebenso wie Vampire, Hexen & Co. Ein Unfall ist schnell geschehen. Man sollte auf jeden Fall auch an eine private Unfallversicherung denken. Gegenseitige Rücksichtnahme ist auch an diesem Abend das A und O in jeglicher Hinsicht.

Foto: VÖV