Bitte Regen!

Der Dauersonnenschein und die schon sommerlichen Tagestemperaturen in diesem April freuen natürlich die meisten von uns. Besonders Eltern, die gegenwärtig ihre Kids wegen der Kita- und Schulschließung ganztags zuhause beschäftigen müssen, sind froh, wenn sie mit dem bewegungshungrigen Nachwuchs für ein paar Stunden ins Freie können. Für einen April ist das Wetter aber total untypisch, bekanntlich gilt dieser Monat als sehr launisch mit einem häufigen Wechsel von Sonne und Regen.

Regen in diesen Frühlingswochen wird auch von den Bäumen und Sträuchern benötigt, die jetzt gerade ihre Blätter entfalten. Eher Sorgenfalten löst deshalb die anhaltende Trockenheit bei Land- und Forstwirten aus. Sie befürchten erneute große Ernteausfälle und Waldschäden. Denn der April setzt fort, was sich bereits in den vergangenen zwei Jahren immer deutlicher abgezeichnet hat: sehr lange Trockenperioden vor allem in weiten Teilen der ostdeutschen Bundesländer. Die Folgen für die Natur werden auch nicht durch vereinzelte und dann um so heftigere Regengüsse gemildert werden. Im Gegenteil, lokale kurzzeitige Starkregen gehören ebenfalls zum Klimawandel und richten in der Natur und in menschlichen Behausungen noch zusätzlichen Schaden an – ebenso wie die häufiger gewordenen schweren Stürme.

Die Dürre betrifft unser Bundesland Sachsen-Anhalt besonders stark. Im bundesweiten Vergleich reihen wir uns im Niederschlagsdefizit ganz vorn ein. Die staubtrockenen Böden sind zum Teil bis zu zwei Meter Tiefe komplett ausgedörrt, berichtete der Forstamtsleiter des Landkreises Wittenberg, Philipp Nahrstedt, in einem MDR-Interview. Auch der Regen im Dezember und Februar habe den Boden-Wasser-Speicher nicht wieder auffüllen können. Und in den Wäldern haben die jetzt wieder ausfliegenden Borkenträger leichtes Spiel, in sich durch die trockenen Baumrinden bis in Holz durchbohren. Immense Waldschäden drohen.

In mehreren Landkreisen in Sachsen-Anhalt von der Altmark bis Wittenberg wurde bereits die höchste Waldbrandstufe verhängt, dort dürfen die Wälder nicht mehr betreten werden. Denn es reicht schon eine aus dem Auto heraus geworfener glimmender Zigarettenrest, um ein Feuer zu verursachen, das sich dann rasend schnell ausbreitet. Der Feuerwehrverband warnt auch: Lassen Sie niemals Fahrzeuge mit heißen Abgasanlagen auf trockenen Feldern oder Wiesen stehen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Vegetation daran entzündet. Dies betrifft neben allen Modellen mit am Fahrzeugboden liegenden Katalysatoren (viele Pkw mit Otto-Motoren) künftig auch immer mehr Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro VI. Werden diese in den Regenerationsmodus geschaltet, können sehr hohe Temperaturen auftreten.“

Und wo man die Wälder noch betreten darf, sollte folgendes beachtet und beherzigt werden: Immer auf den Waldwegen bleiben und Unterholz meiden. Die Zufahrt zum Wald freihalten, damit im Brandfall Löschfahrzeuge schnell durchkommen. Nicht auf Waldwegen mit dem Auto fahren oder parken, weil heiße Auspuffrohre das Gras in Brand setzen können. Immer das Handy dabei haben, um einen entstehenden Waldbrand sofort zu melden.

Steht ein weiterer Dürre-Sommer bevor?

Das könne man überhaupt noch nicht sagen, meint Meteorologin Michaela Koschak vom Deutschen Wetterdienst, ein seriöser Blick so weit voraus ist den „Wettermachern“ nicht möglich. Wir bleiben also Optimisten.

Auf jeden Fall wären gesperrte Wälder in einem Sommer, in dem wir unsere Ferien sehr wahrscheinlich zuhause, innerhalb Deutschlands verbringen werden, keine schöne Aussicht: Kein Ausflug in den Harz oder in die Dübener Heide wegen Waldbrandgefahr?

Bitte, bitte, lass es endlich regnen!

Foto: Die vertrockneten Baumblätter der Magnolie erinnern eher an den Herbst als an den April, in dem dieses Foto aufgenommen wurde.